Ironman 70.3 Dubai 2016 - Raceday

- TEIL II -

Renntag: Freitag, den 29. Januar 2016

 

Dennoch und gerade deshalb klingelte um 4:30 Uhr der Wecker. Jetzt hieß es, letzte Vorbereitungen zwecks Wetter und Verpflegung zu treffen. Am Schwimmstart dann die überraschend gute Nachricht des Veranstalters: Eine wegen rauer See auf 600m verkürzte und im sicheren (Yacht-)Hafen zu schwimmende Strecke, ließ die Gemüter der vielen Kollegen in Neopren stehend am Strandhafen deutlich aufhellen. Der Wellengang im ursprünglich vorgesehenen Open Water sowie Strömungsverhältnisse waren unglaublich. Der Renntag lies sich mit dieser salomonischen Entscheidung somit gut an und wir Age-Grouper konnten den Profis um Jan Frodeno entspannt zuschauen, bevor es dann auch für uns um 7:30 Uhr hieß, „get ready and on your marks“.

Im Sinne eines individual time trial, wie bei der Tour de France, ging es mit einem entzerrten „rolling start“ los. Doch trotz rolling start will (leider) jeder Schwimmer im Herdenprinzip möglichst schnell nach vorne und ich wurde schon nach 50m im wahrsten Sinne des Wortes überrollt. „Waschmaschinen-Effekt“ nennen dies die Triathleten. Komplett durchgespült kam ich nach etwas was mehr als 10 Minuten im Schwimmziel (600m) an, und lief die 800m am Jumeirah Beach weiter bis hin zur ersten Wechselzone problemlos durch, wo ich dann nach 18 Minuten fertig aufs Rad wechselte. Schwimmen erledigt, abgekackt, ein Stein fällt vom Herzen und los ging es auf dem Rad, raus aus Dubai, Kurs Nord-Ost hinein in die Hitze der kahlen Wüste.

Der Radsplit fühlt sich perfekt an, so leicht und ohne Widerstand. Ist es meine low carb Diät, die Flügel verleiht? Tachonadel weit über 40km/h, ich überhole und überhole, und dann wird klar: aus dem angesagte Sturm ist momentan Rückenwind geworden, die Erklärung meines guten Gefühls. Nach etwa 1h bin ich beim Wendepunkt (km 45) mitten in der einsamen Wüste angelangt. Jetzt hoffentlich kein Defekt! Meine Wasservorräte sind schon fast aufgebraucht. Doch jetzt heißt es leider, 45km mit heftigem Gegenwind zurück durch die Wüste nach Dubai City zum Jumeirah Beach. Sofort bricht die Tachonadel, unglaublich die Kraft und Macht des Windes. Natürlich bleibt meine direkte Leistung in Watt hoch, doch eigentlich komme ich nicht wirklich vorwärts. Berge sind auch schwer zu fahren, doch die enden natürlicherweise am Gipfel. Gegenwind ist so lange beeinträchtigend wie die Strecke lang ist. Und es verbleibe ja weiter (qualvolle) 45 km bis nach Dubai. Ich bin froh, wenn es gelingt einen 28er Schnitt zu halten. Dafür schalte ich, erhöhe die Trittfrequenz und reduziere die Kraftanstrengung auf dem Rad um „Körner“ für den anschließenden Halbmarathon einzusparen, so meine Taktik.

Offenbar eine gute Strategie, denn viele Mitstreiter die bis Radkilometer 65 mitgehalten haben fallen plötzlich zurück, offenbar überpaced. Trotz meines geringen speed hole ich viele Fahrer kurz vor der Wechselzone am Burj al Khalifa ein. Beim Wechselziel angekommen sehe und höre ich schon meine Mutter heftig applaudierend stehend. Motiviert, wechsle ich schnell Radschuhe gegen Laufschuhe ein und mach mich auf die 21km lange, mittlerweile sehr sonnige Laufstrecke auf der wunderbaren Strandpromenade, welche aufgrund des muslimischen sonntags (Freitag) sehr gut besucht war.

Doch der Versuch eines guten Laufsplits muss ich schnell verworfen werden, da wie auf Mallorca vor 3 Monaten, sofort wieder Seitenstiche auftreten. Deshalb reduziere ich das Tempo auf ungefähr 4:32min/km und lehne jegliche Verpflegung trotz ansteigender Temperaturen kategorisch ab. Nach der Hälfte des Rennens merke ich, wie sich der Körper an von der horizontalen Radposition endlich an die vertikale Laufposition gewöhnt hat und ich steigere im Runner’s High des second wind die Geschwindigkeit. Plötzlich „läuft“ der Motor und ich verspüre keinerlei Laktat in den Oberschenkel, nur den heißen Atem meines Verfolgers im Nacken. Ist der Verfolger in meiner Altersklasse oder ist es ein junger Triathlet? Wie kann ich ihn abschütteln?

Letzte Runde, erneut höre ich meine Mutter mir irgendwas zurufen, mental bin noch voll da und der final countdown beginnt. Nur noch ins Ziel kommen, so die Gedanken des einsamen Läufers. Noch einmal die Schrittfrequenz erhöhen, die Muskeln und den Herzmotor in den roten Bereich bringen, da hilft Cola, welches ich nun dankbar von den vielen sehr engagierten Helfern in Anspruch nehme.  Leider kann ich meinen Konkurrenten im Windschatten nicht abhängen, im Gegenteil er überholt mich rechts, 50m vor der Ziellinie. Egal, ich halte weiter drauf, das ist mein Finish. Mission completed!

 

 

Elegant sind die Strandliegen im After-Race-Bereich. Es werden Getränke serviert und reichhaltig Essen angeboten. Zusätzlich sponsert der Scheich brauchbare Give-aways sowie Poloshirts und Windjacken mit IM Logo. Sehr spendabel! Guter Kommunikationsaustausch über das Rennen, der harte Wind, der die Radstrecke mit Wüstensand zudeckte und der Lauf bei warmen Bedingungen sind der typische Gesprächsstoff der Finisher.  Erst in der persönlichen Rennrückschau wurde mir klar, dass ich meine persönliche Radbestzeit auf 2:34h über 90km Wüstenfahrt verbessert habe. Insgesamt steht eine Endzeit von 4:56h zu Buche. Super Sub-5-Hours! Organisator Scheich Nassem al Khalifa war zwar 20 Minuten schneller, aber egal… er hatte den Heimvorteil.

 

 

Das Beste zum Schluss…

 

 

Nachdem ich cirka zwei Stunden die Wunden geleckt habe, mich gestärkt und auf der Strandliege relaxte, ging es zum Bike-Check-Out und sofort zurück ins Hotel. Weiter ausruhen dann fertig machen zur feierlichen Siegerehrung, erneut vor der eindrucksvollen Kulisse des Burja El Arab. Sheikh Nasser brachte eine ganze Entourage an Freunden, Teamkollegen und den Sportminister zur Siegerehrung mit.

Wie erwartet gewann Jan Frodeno in einer Zeit von 3:34h, mit großem Vorsprung zum Zweitplatzierten  Australier Josh Amberger (3:41h). Mit diesem ersten Sieg der Triple Crown Serie, hat „Frodo“  damit gute Chancen das Millionenpreisgeld zum Ende der Saison 2016 zu verdienen. Doch eigentlich geht es beim Ironman nicht so sehr um die Profi-Atlethen (top 50), sondern vielmehr um die große Anzahl (1200) von Hobby Sportler, den so genannten Age-Groupern (Altersklasse Athleten). In Analogie zu den Profis werden auch hier die top drei Plätze der jeweiligen Altersklasse honoriert, und darüber hinaus bei top Platzierung Qualifikationsplätze zur IM 70.3 Weltmeisterschaft an der Sunshine Coast in Australien (Moolooba, 2016) vergeben.

Eigentlich wollte ich bei dieser Abendveranstaltung lediglich die Party und das Essen genießen, doch als dann bei der Qualifikationsvergabe der AK 45 mein Name unerwartet aufgerufen wurde, war ich mega happy! Sicherlich glücklich, da einige vor mir platzierte Athleten ihren Startplatz verweigerten und ich damit aufrückte. Sofort eine Whats-App an Freunde und das RockSteady Gym verfasst! Damit beginnt dann auch die intensive Vorbereitungsphase für die WM an der Sunshine Coast in Australien. Vorher stehen jedoch noch Vorbereitungswettkämpfe in Köln und Luxembourg an. Ein weiterer Höhepunkt ist der  Ironman Roth im Juli, wofür noch einige Trainingseinheiten mit den Trainern Tim und Richi notwendig sind.

Und vielleicht treibt es mich zum Saisonende 2016 erneut in die Wüste, Bahrain steht noch aus. Inschallah!

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Kommentare: 1
  • #1

    Kersten (Montag, 04 April 2016 19:41)

    Hallo Iron-JO,

    top Leistung!! Die WM ruft, hau dich rein über den Sommer!
    BTW, euer RockSteady-Gym sieht cool aus, hoffentlich können wir dort bald mal eine Iron-Trainingseinheit absolvieren.

    No PAIN, NO GAIN
    Grüße aus dem Süden